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Niere – Warteliste und Vermittlung

Rund 8.000 Dialysepatienten warten in Deutschland auf eine Nierentransplantation. Ihre Zahl ist fast viermal so hoch wie die der pro Jahr übertragenen Organe. Im Jahr 2016 wurden 2.094 Patientinnen und Patienten transplantiert. Die durchschnittliche Wartezeit auf eine Transplantation beträgt etwa sechs bis sieben Jahre.

Um auf die Warteliste für eine Nierentransplantation aufgenommen zu werden, muss ein endgültiges Nierenversagen vorliegen, das eine Dialysebehandlung erforderlich macht oder in Kürze erforderlich machen wird. „In Kürze“ bedeutet, dass bereits Vorbereitungen (z.B. Anlegung eines Shunts) für die Dialysebehandlung getroffen werden müssen.

Der Antrag auf Aufnahme auf die Warteliste wird bei folgenden medizinischen Kontraindikationen abgelehnt, da in diesen Fällen kein Behandlungserfolg erreicht werden kann oder die Transplantation ein zu großes Risiko darstellt:

  • nicht kurativ behandelte bösartige Erkrankungen
  • klinisch manifeste Infektionserkrankungen
  • schwerwiegende zusätzliche Erkrankungen (z.B. Herz- und Gefäßerkrankungen, Bronchial- und Lungenerkrankungen, Lebererkrankungen)

Bei der Aufnahme auf die Warteliste soll stets der körperliche und seelische Gesamtzustand des Patienten hinsichtlich eines Behandlungserfolges eingeschätzt werden.
Wenn gleichzeitig die Indikation zur Durchführung einer zweiten Transplantation vorliegt, gelten die genannten Kontraindikationen nur eingeschränkt.

Die Entscheidung über die Aufnahme eines Patienten in die Warteliste, ihre Führung sowie über die Abmeldung eines Patienten trifft eine ständige, interdisziplinäre und organspezifische Transplantationskonferenz des Transplantationszentrums. Daran ist auch mindestens ein Mediziner beteiligt, der nicht unmittelbar in das Transplantationsgeschehen eingebunden ist.

Die Vergabe der Spendernieren nach den Richtlinien der Bundesärztekammer erfolgt nach Punktzahlen, die aus sich aus verschiedenen Voraussetzungen ergeben:

1. Blutgruppenkompatibilität (A-B-0-System)

Die Blutgruppenkompatibilität zwischen Spender und Empfänger ist Grundvoraussetzung für eine Organtransplantation. Um eine gleichmäßige Verteilung zu gewährleisten, wird dabei nach folgenden Regeln vorgegangen:

Spender BlutgruppeEmpfänger Blutgruppe
00
AA
BB
ABAB

2. Grad der Übereinstimmung der HLA-Merkmale

Im Hinblick auf einen langfristigen Transplantationserfolg ist eine möglichst weitgehende Übereinstimmung der HLA-Merkmale anzustreben. Berücksichtigt und in einer Punktzahl ausgedrückt wird bei der Organzuteilung die Anzahl der „Mismatches“ – der nicht übereinstimmenden Gewebemerkmale.

3. Mismatch-Wahrscheinlichkeit

Die Gewebeantigene sind unterschiedlich häufig. Um die Empfänger mit seltenen Gewebeantigenen nicht zu benachteiligen, wird die Mismatch-Wahrscheinlichkeit mit einer berechneten Punktzahl berücksichtigt.

4. Wartezeit

Die Wartezeit beginnt mit dem ersten Tag der Dialyse. Die Wartezeit wird in Tagen berechnet und in einer Punktzahl ausgedrückt.

5. Konservierungszeit

Um eine gute Funktion des Spenderorgans zu erreichen, soll die Ischämiezeit (Konservierungs- und Transportzeit) möglichst kurz sein. Daher erhalten Empfänger Zusatzpunkte für räumliche Nähe.

Einen Sonderbonus gibt es jeweils für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren, hochimmunisierte Patienten und für Patienten mit einer besonders hohen Dringlichkeitsstufe sowie bei kombinierten Organtransplantationen.

  • Für Kinder ist eine frühzeitige Nierentransplantation besonders wichtig, da ihre körperliche und seelische Entwicklung durch die Dialyse erheblich beeinträchtigt ist.
  • Da hochimmunisierte Patienten Antikörper gegen die meisten angebotenen Organe haben, werden sie bevorzugt.
  • Liegt eine lebensbedrohliche Situation vor bzw. ist absehbar, wird der Patient bevorzugt. Die Dringlichkeit muss von den Ärzten begründet werden.
  • Bei kombinierten Organtransplantationen (Niere/Pankreas, Niere/Leber, Niere/Herz) erfolgt unter Berücksichtigung der Erfolgsausicht ebenfalls eine vorrangige Vermittlung.

Es gibt Sonderregelungen für Spender und Empfänger über 65 Jahre.

 

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