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Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls

Das Transplantationsgesetz (TPG) schreibt in § 3 Abs. 1 die Feststellung des Todes als Voraussetzung für die Organentnahme vor. Dies muss nach Regeln erfolgen, die dem Stand der Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft entsprechen. Die Bundesärztekammer (BÄK) erstellt die Richtlinien zur Feststellung des endgültigen, nicht behebbaren Ausfalls der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms (TPG, § 16 Abs.1). Mit dieser Diagnose wird der naturwissenschaftlich-medizinische Tod eines Menschen festgestellt.

Die vierte Fortschreibung der Richtlinie gemäß § 16 wurde am 30. März 2015 vom Bundesministerium für Gesundheit genehmigt und ist am 6. Juli 2015 in Kraft getreten. Dabei haben sich die Grundlagen der Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls nicht geändert.

Die Diagnose folgt einem dreistufigen Schema:

• Feststellung der Voraussetzungen, also der zweifelsfreie Nachweis einer akuten schweren primären oder sekundären Hirnschädigung sowie der Ausschluss reversibler Ursachen

• Feststellung der Bewusstlosigkeit (Koma), des Ausfalls aller Hirnstamm-Reflexe (Hirnstamm-Areflexie) und der Spontanatmung (Apnoe)

• Nachweis der Irreversibilität durch klinische Verlaufsuntersuchungen nach den vorgeschriebenen Wartezeiten und/oder durch ergänzende Untersuchungen

Die Aktualisierungen der Richtlinie sehen vor, dass neue apparative Verfahren zum Nachweis der Irreversibilität der Hirnfunktionsausfalls eingesetzt werden können (Duplexsonographie, Computertomographie-Angiographie (CTA)).

Gemäß § 5 TPG muss die Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls durch zwei Ärzte unabhängig voneinander erfolgen. Sie dürfen weder an der Entnahme noch an der Übertragung der Organe des Organspenders beteiligt sein, noch der Weisung eines beteiligten Arztes unterstehen.

Die neuen Richtlinien präzisieren die Qualifikationsanforderungen an die Ärzte, die die Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls durchführen dürfen. Sie müssen mehrjährige Erfahrung in der Intensivbehandlung von Patienten mit akuten schweren Hirnschädigungen besitzen und über eine Facharztanerkennung verfügen. Einer der beiden Ärzte muss Facharzt für Neurologie oder Neurochirurgie sein. Bei Untersuchungen von Kindern bis zum vollendeten 14. Lebensjahr muss einer der Ärzte Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin sein.

Der Verlauf der Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls und die ärztliche Qualifikation werden von jedem Untersucher in einem Protokollbogen festgehalten. Die Protokollbögen können von den Angehörigen eingesehen werden.

  • Interview

    Professor Dr. jur. Ulrich Schroth ist Hochschullehrer für Strafrecht, Strafprozessrecht, Rechtsphilosophie und Rechtssoziologie an der Ludwig-Maximilians Universität München. Einer seiner Schwerpunkthemen ist die Patientenverfügung.
    Auf dem 10. DSO-Jahreskongress im November 2014 in Frankfurt am Main hat Prof. Dr. Schroth einen Vortrag mit dem Titel „Patientenverfügung und Organspende“ gehalten. Hier beantwortet er einige wichtige Fragen zu diesem Thema.

     

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