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Organprotektive Intensivmaßnahmen

Kompaktinformation Organprotektive Intensivmaßnahmen

Ausführliche Informationen zu den Organprotektiven Intensivmaßnahmen finden Sie im 6. Kapitel des »Leitfaden für die Organspende«.

  • Pathophysiologische Veränderungen

    Der Ausfall zentraler Regulationsmechanismen führt zu massiven pathophysiologischen Veränderungen in der Hämodynamik, des Hormonhaushalts, der Körpertemperatur und der Lungenfunktion.

    Das Ziel ist die Vermeidung funktioneller und struktureller Organschäden. Ein ausreichender Perfusionsdruck (MAD 70 - 100 mmHg) sowie ein adäquates Sauerstoffangebot (peripherer SaO2 > 92%) sind mindestens anzustreben.

     
  • Monitoring und Zielgrößen

    Zur Orientierung gelten die Parameter und Referenzbereiche, die den Normwerten entsprechen. Hiervon abweichende Werte können dennoch zur Akzeptanz des einzelnen Organs führen. Die Entscheidung wird zusammen mit den Transplantationsmedizinern getroffen.

    Bei Patienten mit hohem Volumen- bzw. Katecholaminbedarf kann ein erweitertes hämodynamisches Monitoring sinnvoll sein. Die Zielgrößen sind identisch mit den Zielgrößen kritisch kranker Patienten auf der Intensivstation. Zur entsprechenden Diagnostik werden die vorhandenen Möglichkeiten der jeweiligen Intensivstation genutzt.  

     
  • Komplikationen und Behandlungsstrategien

    Hypotension/Hypovolämie/Diabetes insipidus

    Zur Korrektur des intravasalen Volumendefizits sollen bevorzugt Kristalloide eingesetzt werden. Die Gabe von Hydroxyäthylstärke (HAES) wird wegen der Gefahr von Tubulusnekrosen nicht empfohlen.

    Therapie des Diabetes insipidus zentralis

    Leitparameter: Urinvolumen > 5 ml/kgKG/h mit spezifischem Gewicht < 1005

    Desmopressin als Bolus 1 – 4 µg i.v.

    Alternativ:

    • Desmopressin kontinuierlich 0,5 - 2 µg/h.i.v.
    • Vasopressin kontinuierlich 0,05 - 0,5 U/h.i.v.

    Therapie einer Hypotonie trotz adequater Volumensubstitution

    Zieldruck: MAP 70 - 100 mmHg

    Volumenersatz

    • bevorzugt mit kristalloiden Lösungen
    • FFP-Gabe nur bei gleichzeitiger Gerinnungsstörung indiziert
    • Erythrozytenkonzentrate bis Hkt 20 - 30 % erwägen

    Katecholamine: Dosierung nach Wirkung (Zieldruck)

     

     

    Elektrolytdysbalancen

    Hypernatriämie mit Hypovolämie

    • Korrektur mit 5 %-Glukoselösung ggf. in Kombination mit Insulin unter BZ-Kontrolle
    • Halbelektrolytlösungen

    Hypernatriämie mit Hypervolämie

    • Furosemidgaben und Substitution der Ausscheidungsmenge durch elektrolytfreie Lösung, ggf. separate Kaliuminfusion unter engmaschiger Elektrolytkontrolle

    Hypothermie

    Bei ausgeprägter Hypothermie wird eine Körpertemperatur von 35 ˚C angestrebt.

    • Verminderung der passiven Wärmeverluste durch Zudecken z.B. mit Metallfolien
    • Erwärmung mit Heizdecken und Warmluftgeräten
    • Anwärmen der Infusionslösung

    Hypokapnie

    Der verminderte Gesamtstoffwechsel beim Organspender kann bei Beibehaltung der zuvor zur Hirndrucksenkung angewendeten Hyperventilation zu einer schweren respiratorischen Alkalose mit Auswirkungen auf den Kreislauf und die Sauerstoffbindungskurve führen.

    Therapie

    In der Regel ist eine Anpassung der Beatmungsparameter unter Kontrolle der Blutgase ausreichend.

    Vegetative Dysregulation und spinale Automatismen

    Leitparameter: Hypertonie, Tachykardie, Bradyarrythmie, spinale Reflexe 

    Therapie

    • kurzwirksame peripher wirksame Antihypertonika nach Verfügbarkeit
    • β-adrenerge Agonistentherapie bei Bradykardien
    • ansonsten Orientierung an etablierter antiarrythmischer Therapie

    Lungenprotektive Maßnahmen und Beatmung

    Lungenprotektive Pflege

    • regelmäßige Bronchialtoiletten
    • Lagerungsprotokoll zur Verhinderung von ausgedehnten Phasen einer Flachlagerung (Empfehlung 20˚ - 45˚ Oberkörperhochlagerung)
    • Händedesinfektion bei Maßnahmen an den Atemwegen
    • Mundpflege und orale Dekontamination
    • Vermeidung oraler Aspiration z.B. durch Cuffdruckmessungen, subglottische Sekretabsaugung

    Lungenprotektive Beatmung

    • Volumenkontrollierte, druckregulierte Beatmung
    • Atemzugsvolumen 6- 8 ml/kg errechnetes Körpergewicht
    • Plateaudruck < 30 cm H2O (alternativ, falls nicht im Ventilator verfügbar: Spitzendruck < 35 cm H2O)
    • regelmäßige Rekrutierungsmanöver
    • minimale FiO2 für eine Sättigung von mindestens 92 %

    Blutgabe bei Organspende

    Ein kritischer Wert unter den der Hämatokrit im Rahmen der organprotektiven Intensivmaßnahmen nicht fallen sollte, ist nicht ausreichend untersucht. Die Indikation für die Gabe von Erythrozytenkonzentraten zur Verbesserung der Sauerstofftransportkapazität muss daher im Einzelfall abgewogen werden.

     
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    Verfahrensanweisungen nach § 11 des Transplantationsgesetzes

    3. Aktualisierung Stand: Januar 2017

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